Hintergrund

(in Anlehnung an WHO „Health Literacy – The solid facts“, 2013, Verfügbar unter: http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0008/190655/e96854.pdf?ua=1, Zugriff: 04.08.2019)

Gesundheitskompetenz bei Personen ab 60 Jahren

In den vergangenen Jahren haben nationale und internationale Studien gezeigt, dass besonders ältere Menschen eine unzureichende Gesundheitskompetenz aufweisen (Sørensen et al., 2012; Zok, 2014).

Gesundheitskompetenz beschreibt die Fähigkeit, seine Lebensweise gesundheitsförderlich zu gestalten. Dazu gehört:

  • wissen, wo Gesundheitsinformationen zu finden sind
  • Gesundheitsinformationen richtig verstehen
  • Gesundheitsinformationen kritisch beurteilen
  • Gesundheitsinformationen im Alltag umsetzen

Beispielsweise fällt es dieser Personengruppe besonders schwer, zu beurteilen, wann eine zweite Meinung eingeholt werden sollte, die Vor- und Nachteile von Behandlungsmöglichkeiten einzuschätzen und einen Beipackzettel sowie Angaben auf Lebensmittelverpackungen zu verstehen (Quenzel & Schaeffer, 2016; Zok, 2014).

Gleichzeitig nimmt die Häufigkeit chronischer Erkrankungen mit steigendem Alter zu: Bei den über 65-Jährigen geben mehr als die Hälfte an, mindestens eine chronische Erkrankung zu haben (Robert Koch-Institut, 2014).

Entstehung des Gruppenprogramms

Dem Gruppenprogramm AOK-GeWinn liegt ein Forschungsprojekt zugrunde: „GeWinn – Gesund älter werden mitWirkung – Health Literacy für mehr Lebensqualität und soziale Integration“. Dabei handelt es sich um ein Projekt des Forschungsverbundes des Instituts für angewandte Gesundheitswissenschaften der Hochschule Coburg, der Hochschule Magdeburg-Stendal und der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. GeWinn wurde von Dezember 2015 bis April 2019 in den bayerischen Landkreisen Ansbach, Coburg, Passau und Würzburg sowie Stadt und Landkreis Magdeburg umgesetzt. In dieser Zeit wurde das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

GeWinn strebte an, die Gesundheitskompetenz von Menschen ab 60 Jahren im Hinblick auf Informationsbeschaffung, -verständnis, -beurteilung sowie der -anwendung im Alltag in den Bereichen Gesundheitsförderung, Prävention und Selbstmanagement zu fördern. Dabei stand die soziale Integration, die generische Selbstmanagementkompetenz im Umgang mit chronischen Erkrankungen und die Medienkompetenz im Fokus.

In der Entwicklungsphase von GeWinn wurde mit Senior*innen, Multiplikator*innen sowie Wissenschaftler*innen in Fokusgruppendiskussionen gemeinsam festgelegt, welche Themen und Methoden für die Teilnehmenden relevant und praktikabel sind.

Würden Sie GeWinn weiterempfehlen?

87,9 % der Teilnehmenden (n=207) würden das Gruppenprogramm weiterempfehlen.

Wirkung von GeWinn

Die Evaluation des Gruppenprogramms hat ergeben, dass sich die Gesundheitskompetenz bei Teilnehmenden und Gruppenleitungen nach Projektabschluss verbessert hat.

63,7 % der Teilnehmenden und 72,4 % der Gruppenleitungen verfügten über eine ausreichende oder ausgezeichnete Gesundheitskompetenz. Vergleicht man die Ergebnisse mit den Angaben zum Projektstart, wird deutlich, dass die Gesundheitskompetenz der Teilnehmenden um 14,2% und die der Gruppenleiter*innen um 10,5% zugenommen hat. Insbesondere der Anteil der Teilnehmenden mit exzellenter Gesundheitskompetenz verdoppelte sich im Laufe der Intervention.

Neben der Gesundheitskompetenz lag im Projekt GeWinn auch der Fokus auf der Selbstmanagementkompetenz von Teilnehmenden und Gruppenleitungen im Umgang mit eigenen chronischen Erkrankungen. Die Selbstmanagementkompetenzen der Projektbeteiligten konnten im Projektverlauf verbessert werden.

Die Erfahrungen aus dem Forschungsprojekt zeigen, dass die Struktur des Gruppenprogramms mit selbstständig arbeitenden Gruppen und Peer-Moderation dazu geeignet ist, die Gesundheitskompetenz älterer Menschen zu verbessern und dass sie von den Teilnehmenden gut angenommen wird:

Fortführung als AOK-GeWinn

Nach Projektabschluss wird das Gruppenprogramm nun als AOK-GeWinn weitergeführt. Das von der AOK Bayern geförderte Programm wird in Zusammenarbeit mit der Hochschule Coburg in bayerischen Kommunen angeboten. Mithilfe der Rückmeldungen aus den Gruppen des Forschungsprojekts wurden sämtliche Materialien optimiert und angepasst. Dadurch konnte die Qualität des Gruppenprogramms stetig verbessert werden.